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Frugalismus ist eine Lebenseinstellung. Das Wort Frugal kommt aus dem Englischen und bedeutet sparsam. Frugalisten leben also ein äußert sparsames Leben. Sie sind Lebensgenießer und meist freiheitsliebend. Sie führen Haushaltsbücher um genau über ihre Ausgaben Bescheid zu wissen oder arbeiten mit strikten Budgets, die sie sich selbst vorher festlegen und halten sich auch daran. Oft paart sich die sparsame Lebensweise mit der Geldanlage in Wertpapiere. Frugalisten entscheiden sich dabei überdurchschnittlich häufig für passive Investitionsstrategien wie Sparpläne in ETFs oder Dividendenaktien, um sich passives Einkommen aufzubauen und so noch mehr Freiheit und Freizeit zu haben, die sie genießen können.

Hier einige typische Verhaltensweisen, die diesen Lebensstil prägen:

Dinge gebraucht kaufen: Frugalisten kaufen häufig gebrauchte Nutzgegenstände, anstatt sie neu zu erwerben. Dies ist natürlich deutlich günstiger als etwas Neues zu kaufen und hat andererseits auch nachhaltige Gründe. Bei diesem Lebensstil wird auf Qualität geachtet. „Wer billig kauft, kauft häufig doppelt.“

Dinge leihen: Frugalisten haben keine Ambitionen viel zu besitzen und verstehen den Sinn eines Statussymbols nicht. Alles, was nicht besessen wird, muss nicht gepflegt und repariert werden. Es nimmt keinen Platz weg und es werden keine Ressourcen für die Herstellung verbraucht. Dinge wie Autos, Fahrräder, Werkzeuge, Bücher oder selten genutztes Sportequipment werden geliehen anstatt gekauft.

Kleine Wohnungen statt große Häuser: Frugalisten versuchen ihre Ausgaben maximal zu reduzieren. Dies lässt sich besonders gut bei regelmäßigen Kosten umsetzen. Da sie sowieso eher wenige Gegenstände besitzen, reichen Frugalisten unterdurchschnittlich kleine Wohnungen aus um ein glückliches Leben zu führen.

Kostenfreie oder sehr günstige Freizeitbeschäftigungen: Frugalisten ist ihre Freizeit und den Genuss ihrer Freizeit sehr wichtig. Häufig arbeiten sie nur in Teilzeit um ihr Leben genießen zu können. Um sich das zu gönnen, benötigen sie aber nicht viel Geld. Sie treiben Sport im Freien, treffen sich mit Freunden zu Hause oder zum Picknick und kennen viele Möglichkeiten in ihrer Stadt um kostenlos Spaß zu haben.

Essen selbst kochen und Snacks mitnehmen: Frugalisten sind sehr sparsam und gehen selten auswärts essen. Sie kochen sich ihre Mahlzeiten selbst und nehmen diese mit zur Arbeit und auch zu Freizeitbeschäftigungen. Dabei ist es nicht selten, dass sie trotzdem auf gute Qualität der Zutaten achten um langfristig ein gesundes Leben zu führen.

Reparieren statt neu kaufen: Ein Frugalist schätzt seine wenigen Dinge, die er sorgsam nach hohen Qualitätsstandards ausgesucht hat. Anstatt kaputte Dinge direkt wegzuschmeißen, werden sie selbst repariert oder zu einem professionellen Reparateur gebracht. Einige handwerklich begabte Frugalisten bauen sich auch individuelle Möbel oder Nutzgegenstände komplett selbst.

Fahrrad statt Auto fahren: Da Frugalisten nur kleine Wohnungen benötigen wohnen sie meist zentrumsnah und besitzen oft kein eigenes Auto. Die meisten Strecken fahren sie mit dem Fahrrad, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mieten sich ein Auto, wenn sie einmal etwas Schweres transportieren müssen. Dies reduziert die Fixkosten ungemein und spart dadurch jeden Monat eine Menge.

Motive für einen frugalistischen Lebensstil:

Geld sparen: Ausnahmslos alle Frugalisten möchten Geld sparen. Die einen halten das radikaler als andere.

Nachhaltigkeit: Für viele Frugalisten ist Nachhaltigkeit ein zusätzliches Motiv. Durch weniger Konsum und dem Kauf von gebrauchten Gegenständen werden weniger Ressourcen benötigt und die Umwelt wird geschont. Häufig benutzen Frugalisten ihre Gegenstände auch noch in einem Zustand, bei dem andere Menschen sie längst entsorgt hätten.

Weniger arbeiten oder früher in Rente gehen: Viele Frugalisten träumen von der finanziellen Freiheit und haben strenge Pläne zur Erreichung ihrer finanziellen Ziele. Oft haben sie eine Spar- bzw. Investitionsquote, die über 50% ihres Einkommens liegt. Das überschüssige Geld investieren sie gewinnbringend und möglichst so, dass sie dadurch laufendes Einkommen erhalten um jetzt bereits weniger als 40 Stunden wöchentlich zu arbeiten oder auch früher (häufig sogar schon mit 40) in Rente zu gehen. Diese spezielle Bewegung innerhalb der Frugalisten kommt aus den USA und nennt sich FIRE (financial independence rentiring early). Der Traum von der frühen Rente entspringt nicht Faulheit oder daher, dass ihnen ihr Job keinen Spaß macht, sondern ihrem Freiheits- und Unabhängigkeitsbedürfnis. Im Gegenteil arbeiten Frugalisten oft sehr gern und würden in einem Beruf, der ihnen keinen Spaß macht, nicht lange bleiben. Ihr Lebensglück geht vor.

Zugegeben… Frugalisten sind häufig bestimmte Charaktere mit natürlichen, eher geringeren Konsumbedürfnissen und sind in einer ähnlichen sozialen Umgebung aufgewachsen. Jedoch können sich einige Gewohnheiten antrainiert werden, egal wo jemand herkommt und wie er aufgewachsen ist und wie er bisher sein Leben gelebt hat. Schau Dir also gerne mal einige Eigenschaften und Verhaltensweisen an und überlege, ob sie nicht zu Dir passen können!

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Paul Werner am 1. Juli 2020 um 14:04

    Hallo und vielen Dank für den interessanter Post! Toller Tipp.

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